Interview zur Solidarität mit der kurdischen Bewegung in Italien

... in der Lage, die verschiedenen Teile der Linken zusammenzubringen?

AktivistInnen des Centro Ararat in Rom, befragt vom Kurdistan Report

Centro AraratSeit dem Jahr 1999 besteht das kurdische Kulturzentrum Ararat, das »Zuhause« der KurdInnen in der italienischen Hauptstadt Rom. Könnt ihr uns etwas über die Entstehungsgeschichte des Ararat erzählen?

Rodi: Das Zentrum entstand 1999. Als der Vorsitzende Öcalan in Rom war, versammelten sich vor dem Militärkrankenhaus »Celio« KurdInnen aus ganz Europa. Die Bewegung in Rom tat ihr Bestes zur Unterstützung der angereisten Menschen, viele waren in den Hungerstreik getreten. Aus dieser Begegnung ist eine Verbindung zwischen Menschen in Rom und dem kurdischen Volk entstanden.

Als der Vorsitzende wegen der fehlenden Courage der italienischen Regierung gezwungen wurde, Italien zu verlassen, und er später in einem internationalen Komplott entführt wurde, reisten viele wieder ab, aber viele blieben in Rom und »wohnten« in einem Park in der Nähe der Piazza del Celio, in dem sich schon zuvor eine Gruppe von KurdInnen aus dem Irak befunden hatte.

Sveva: Diese Situation war untragbar. Verschiedene Soziale Zentren und andere Gruppen haben zusammen mit diesen Menschen gemeinsam mit der kurdischen Community nach einer Lösung gesucht und dann entschieden, ein Gebäude zu besetzen. Erst wurde ein Haus in einem ziemlich zentralen Viertel (Piazza Bologna) besetzt, dann ein anderes Gebäude, ausgerechnet zwischen dem zentralen Polizeipräsidium und dem Innenministerium ... Beide wurden nach wenigen Tagen geräumt. Dann wurde ein Haus im alten, 1975 aufgegebenen Schlachthof besetzt, auf einem Gelände, auf dem sich schon seit 1990 das Soziale Zentrum »Villaggio Globale« (Globales Dorf) befand und wo das Ararat auch heute noch ist. An dieser Besetzung beteiligte sich neben vielen anderen Sozialen Zentren und Gruppen auch das ArchitektInnenkollektiv »Stalker«. Diese Gruppe brachte sich ein bei der Instandsetzung des besetzten Gebäudes – früher einmal das Haus des Tierarztes des Schlachthofes – und hat im Lauf der Jahre viele wichtige Projekte aufgebaut, unter anderem die Installation »Tappeto Volante« (Fliegender Teppich), die sich zur Hälfte im Ararat und zur Hälfte in Palermo befindet, und den Ararat-Garten »Azadî« mit charakteristischen Pflanzen Kurdistans.

Rodi: Seit damals sind circa 25.000 KurdInnen kurz- oder langfristig zum Ararat gekommen, wurden dort aufgenommen und unterstützt. Oft waren es Menschen, die dort ihre erste Begegnung mit der kurdischen Kultur hatten, die in ihren Heimatländern verboten und geleugnet wird. Zurzeit wohnen wenige Leute fest im Ararat, weil wir jetzt den meisten Geflüchteten helfen können, in den staatlichen Zentren Unterkunft zu finden.

Wie sehen die praktischen Arbeiten des Kulturzentrums aus? Von wem werden eure Angebote hauptsächlich angenommen, habt ihr Kontakte in die kurdischen Regionen und mit was für Problemen seid ihr konfrontiert?

Rodi: Das Zentrum ist zuallererst ein Treffpunkt und Begegnungsort, hat aber auch Verbindungen mit dem Viertel, dem alten traditionsreichen Viertel Testaccio, und mit der Stadt insgesamt. Enge Beziehungen bestehen z. B. auch mit dem nahegelegenen Sozialen Zentrum »La Strada«. Ganz sicher ist der wichtigste Moment des Jahres das Newroz-Fest mit dem großen Feuer auf dem Platz vor dem Gebäude, mit politischen und kulturellen Ansprachen und Musik mit kurdischen und italienischen Gruppen. Wir organisieren kurdische und italienische Sprachkurse, es gibt eine Tanzschule, eine Bibliothek, Ausstellungen, Informationen über die Situation in Kurdistan, Buchvorstellungen etc. Oft werden wir zu Initiativen von anderen Sozialen Zentren und Verbänden in Rom eingeladen, wo wir nicht nur über Kurdistan informieren und Fotoausstellungen oder Ähnliches organisieren, sondern uns oft auch um das Essen kümmern und so die kurdische Küche bekannt machen.

Natürlich haben wir alle ständig Kontakt mit unseren Familien, aber auch mit Gruppen und Verbänden, die uns über die aktuelle Situation informieren oder helfen, Info-Material vorzubereiten. Wir organisieren periodisch z. B. zusammen mit Rete Kurdistan Roma [»rete« bedeutet so viel wie Netzwerk; Anm.] auch Filmtage.

Mit der kurdischen Community und unseren italienischen GenossInnen rufen wir auch zu Kundgebungen, Protestmärschen und anderen Initiativen auf, um auf die Situation in Kurdistan aufmerksam zu machen.

Wir setzen uns mit den üblichen Alltagsproblemen auseinander, die der Betrieb eines solchen Zentrums mit sich bringt, aber vor allem mit denjenigen, die unsere Situation als Geflüchtete betreffen, und natürlich unterstützen wir die gerade angekommenen Menschen bei ihren Asylverfahren. In Italien gibt es viele bürokratische Hürden, wenig Hilfe von staatlichen Strukturen und oft ist es schwer, die vielen Probleme zu verstehen und zu überwinden. In direkter Nachbarschaft befindet sich der Verband Senza Confine, der gratis auch rechtliche Unterstützung und Information anbietet.

In unserem Zentrum finden auch die Treffen von Rete Kurdistan Roma und die nationalen Versammlungen von Rete Kurdistan Italia statt.

Ich möchte betonen, dass das Ararat nicht nur selbstorganisiert ist, sondern auch selbstfinanziert, und dass wir die ganzen Jahre über auch für die wichtigen Tätigkeiten zur Aufnahme und zeitweiligen Unterkunft von Menschen nie staatlich oder anderweitig öffentlich finanziert wurden. Allein die letzte Renovierung dieses historischen Gebäudes – die wir selbst durchgeführt haben – hat 30.000 Euro gekostet, die wir selbst aufgebracht haben. Finanzierungshilfen sind nur aus einigen Projekten gekommen, eines davon europäisch; auch kurdische Verbände in Deutschland haben sich daran beteiligt. Gerade in diesen Tagen beginnt neben dem Ararat die Initiative »Gay Village«, mit der wir eine Zusammenarbeit begonnen haben.

Emanuele: Das Ararat-Zentrum ist auch der logistische und organisatorische Stützpunkt der »Staffetta Sanitaria« (Sanitätsstaffel) von Rete Kurdistan Italia. Die in verschiedenen Städten Italiens gesammelten Medikamente werden im Ararat gelagert und Staffetta und Ararat arbeiten zusammen an der Vorbereitung der Listen und Verpackung.

Sveva: Im Ararat haben die ersten Treffen stattgefunden, aus denen in der Zeit des Kampfes um Kobanê eine Delegation entstanden ist, die damals nach Pirsûs (Suruç) fuhr. Die Geschichte dieser Reise und der darauffolgenden ist im Comic-Buch »Kobane Calling« erzählt. Einige Szenen der Erzählung finden im Ararat statt.

Es gab Berichte, wonach das Ararat von Räumung bedroht sei, so wie viele andere Kulturzentren auch. Wie ist der aktuelle Stand und gibt es eine Vernetzung mit anderen Gesellschaftsprojekten in Rom und Italien?

Rodi: Besonders schlimm war, dass die Nachricht von der Räumung gerade zu der Zeit kam, als Erdoğan anfing, alle Kulturverbände und gesellschaftlichen Organisationen in Kurdistan zu verbieten und zwangsweise zu schließen. Im ersten Moment haben wir gedacht, es gäbe eine direkte Verbindung. Auch wenn es so nicht zutrifft, haben wir auf den Kundgebungen gegen die Räumung betont, dass die Stadt Rom sich durch eine Räumung des Ararats zum Komplizen Erdoğans in seinem kulturellen und politischen Völkermord an den KurdInnen gemacht hätte.

Da diese Situation nicht nur das Ararat betrifft, sondern auch viele andere Strukturen in Rom, haben wir mit den GenossInnen von Rete Kurdistan Roma entschieden, den Kampf auf verschiedenen Ebenen zu führen: auf der lokalen Ebene, mit allen anderen Zentren, Verbänden und Gruppen in der gleichen Situation innerhalb eines Bündnisses, das »Decide Roma Decide la Città« (Rom entscheidet, die Stadt entscheidet) heißt – in der direkten Nähe des Ararats sind auch andere von Räumung bedroht, wie z. B. die »Scuola di Musica Popolare di Testaccio« (Testaccios Volksmusikschule) und der multiethnische Kindergarten »Celio Azzurro« –, auf nationaler Ebene, indem wir alle kurdischen Communities in Italien gebeten haben, bei ihren jeweiligen Stadträten zur Solidarität mit dem Ararat aufzufordern, Protesttelegramme an die Stadt Rom zu schicken etc. Aber wir denken, es ist wichtig, Solidarität von allen Gruppen und Verbänden aus der kurdischen Diaspora auch außerhalb Italiens zu erhalten. Denn mit der neuen Regierung kann die aktuelle Situation der Stagnation jeden Moment kippen, und dann werden wir auch eure Solidarität brauchen, um die Aktivitäten des einzigen Ortes zu schützen, an dem es in Italien möglich ist, kurdischem Selbstverständnis zu begegnen und die Besonderheiten der vier Teile Kurdistans wahrzunehmen. Den formaleren Teil erklärt jetzt unsere Anwältin.

Simonetta (Rechtsanwältin des Ararats): Im Stadtrat, der die Stadt Rom regiert, hat derzeit die MoVimento 5 Stelle (5-Sterne-Bewegung) die Mehrheit, die auch an der nationalen Regierung beteiligt ist.

Im März 2016 wurden durch den vorherigen Stadtrat mehreren Sozialen Zentren, darunter auch dem Ararat, die Mietverträge gekündigt, und zwar wegen Ablauf der alten Genehmigungen und Nichtzahlung der neuen und teuren »marktüblichen« Mieten. Dabei wurde ignoriert, dass kulturelle Zentren – dank Kämpfen der Bewegung der Sozialen Zentren in den neunziger Jahren – lediglich zwanzig Prozent des üblichen Mietniveaus bezahlen mussten, falls sie den BürgerInnen gratis kulturelle Aktivitäten anböten, die sonst die Stadtverwaltung hätte ausrichten müssen.

Diese Situation hat das Ararat und viele andere Zentren dazu gebracht, eine Einstellung des Wiedererwerbs der Immobilien von Seiten der Stadt Rom zu beantragen; ein Verfahren, das bei dem zuständigen Gericht noch läuft (TAR Lazio); in der Zwischenzeit haben zahlreiche Treffen zwischen VertreterInnen der Sozialen Zentren, ihren AnwältInnen und der Stadtregierung Roms Letztere überzeugt, momentan vom Wiedererwerb abzusehen. Durch den Beschluss des Stadtrats Nr.19/2017 wurden alle Verfahren vorerst eingestellt, bis zur Verabschiedung einer neuen Regelung der Mietverträge. Die Stadt Rom hat also entschieden, alles zu verschieben, bis neue Regeln die Zuteilung ihrer Immobilien an Verbände und BürgerInnen bestimmen, durch die geprüft werden soll, ob durch gemeinnützige Tätigkeiten tatsächlich ein Anrecht auf den Verbleib in diesen Immobilien besteht.

Das zuständige Gericht ist davon unterrichtet worden und hat im Falle Ararats noch kein Datum für eine neue Verhandlung festgelegt.

Gleichzeitige gerichtliche und politische Aktionen gegen das Vorgehen der Stadt haben einen Aufschub der anfänglich vorgesehenen Räumungen bewirkt. Die GenossInnen und Gruppen, die am Projekt Ararat arbeiten und dessen Schicksal verfolgen, werden aber auf jeden Fall weiterhin aufmerksam die weiteren Entwicklungen beobachten und immer an der Seite der Menschen sein, die durch das türkische Regime zur Flucht gezwungen wurden und hier Schutz gefunden haben, d. h. an der Seite derjenigen, die mit ihrer Kultur, ihrer Anwesenheit und ihren Aktivitäten die Seele des Ararat-Zentrums sind.

Sveva: Ja, im Moment gibt es einen Stillstand. Die Frage ist aber auch, wie eventuelle neue Regelungen aussehen werden. Der Entwurf der Stadt Rom von letztem Jahr ist nicht sehr vielversprechend, im Gegenteil. Außerdem gibt es keinen Verhandlungstisch, an dem die Sozialen Zentren die Gestaltung der Regeln diskutieren und beeinflussen könnten. Noch dazu ist die Regierung der Stadt Rom für die nationale Regierung wichtig, insbesondere für die 5-Sterne-Bewegung, und der sogenannte Regierungsvertrag zwischen der 5-Sterne-Bewegung (die sicher nicht als »links« angesehen werden kann) und der rassistischen Partei Lega verspricht nichts Gutes in Bezug auf besetzte Gebäude. Also ist der einzige wirkliche Schutz einerseits das Gerichtsverfahren, andererseits die Bereitschaft der Gruppen, die Rete Kurdistan Roma bilden (und die vieler anderer), zu einer militanten Verteidigung des Ararats (und natürlich aller anderen gefährdeten Zentren), falls sich das als notwendig erweisen sollte.

Centro Ararat

Mit dem intensiven Kampf der YPG/YPJ um Kobanê und zuletzt Efrîn hat sich eine große Sympathie für die Revolution in Kurdistan und das Paradigma der kurdischen Bewegung entwickelt. Wie kommen die Kurdistan-Solidarität im Allgemeinen und die Revolution in Rojava im Besonderen in der italienischen Gesellschaft an?

Emanuele: In der italienischen Linken gibt es ein großes und übergreifendes Interesse, über die verschiedenen politischen Gruppierungen und Spaltungen hinaus. Nach einer ersten Phase der allgemeinen Unterstützung, die auch an den Kampf um Kobanê gegen den IS gebunden war, gibt es jetzt auch mehr Aufmerksamkeit für die Inhalte der Revolution in Rojava und insbesondere für den demokratischen Konföderalismus. Dazu sei als Beispiel gesagt, dass ein Online-Bericht über eine Doktorarbeit zu diesem Thema innerhalb weniger Tage von mehr als tausend Leuten abgerufen wurde.

Massimiliano: Wie wahrscheinlich auch in Deutschland wurde der Kampf der kurdischen Bewegung auch hier parteiübergreifend mit Sympathie betrachtet, nicht nur in der Linken, in der es bereits Aufmerksamkeit gab. Auch Leute, die bis dahin keine Kenntnisse über die kurdische Geschichte hatten, sehen diesen Kampf als einen berechtigten an, da er nicht nur das kurdische Volk betrifft, sondern auch uns hier in Europa. In der Linken gibt es aber auch die klassischen sogenannten »antiimperialistischen« Stimmen, die sich z. B. Russlands Position unterordnen oder noch nicht verstanden haben, dass das Bündnis mit den Kräften der internationalen [Anti-IS-]Koalition nur ein taktisches und kein strategisches ist.

Simonetta: Die Idee des demokratischen Konföderalismus wird mit großer Aufmerksamkeit verfolgt, sie wird nicht nur aufgenommen, sondern auch verbreitet. Viel Aufmerksamkeit hat es ebenso für den Kampf der Frauen gegeben. Aber es ist insgesamt noch nicht begriffen worden, dass der Kampf der kurdischen Frauen nicht erst heute entstanden ist, sondern eine über vierzig Jahre lange Geschichte des Kampfes gegen das Patriarchat hinter sich hat, durch den sich die Selbstbestimmung entwickelt hat und durch den das Recht auf Selbstverteidigung, das wir in Kobanê und Efrîn gesehen haben, zentral geworden ist.

Giulia: Der Kampf des kurdischen Volkes hat viel Empathie hervorgerufen und ist als berechtigter Kampf anerkannt worden. Es sind Gruppen entstanden, die die Auseinandersetzung mit den Ideen Öcalans und dem demokratischen Konföderalismus vertiefen. Das Paradigma der kurdischen Bewegung ist für viele vielleicht noch kein fester Bezugspunkt, aber sicherlich ein Thema, das größere Aufmerksamkeit verdient. In Bezug auf die Frauen muss gesagt werden, dass es sicherlich Bewunderung hervorruft, sie mit Waffen mit und neben den Männern kämpfen zu sehen, und dass das zum Gedanken führt, ihr Weg zur Befreiung sei vollendet. Aber wenn man den kurdischen Genossinnen zuhört, wird verständlich, dass dies nicht der grundlegende und zentrale Teil ihres politischen Weges ist. Es wäre sehr interessant, besser zu verstehen, wie sie tagtäglich in der Gesellschaft arbeiten, um das allgemeine Verständnis der Frauenfrage weitläufig zu verändern.

In Deutschland ist die kurdische Bewegung mit der Linken immer näher zusammengerückt. Es wird über einen neuen Internationalismus debattiert, klassische Solidaritätsarbeit hinterfragt und Perspektiven für gemeinsame Kämpfe in Europa werden diskutiert. Wie seht ihr das in Bezug auf Italien?

Emanuele: Es scheint, dass in Italien ein fast umgekehrter Prozess stattgefunden hat: Die italienische Linke hat sich – angefangen bei den Ereignissen in Kobanê – der kurdischen Bewegung angenähert, mit Aktionen zur Unterstützung, sowohl national (Demos) als auch auf lokaler Ebene, und zwar auch dort, wo keine oder sehr wenige KurdInnen leben. Andererseits ist derzeit die kurdische Bewegung eine der wenigen, die in der Lage ist, die vielen Teile der italienischen Linken zu einigen, und die dank der mehrere europäische und nichteuropäische Länder einbindenden Kampagnen eine transnationale Perspektive anbietet.

Auf jeden Fall müssen wir eingestehen, dass manche traditionellen Formen der politischen Aktion, wie z. B. Demos, immer weniger Erfolg haben, weil die Stimmen tausender Menschen es nicht zu schaffen scheinen, bis zu denen vorzudringen, die politische Entscheidungen treffen, die, egal welche Regierung an der Macht ist, weiterhin die Türkei unterstützen und eher an Business denken als an die Rechte der BürgerInnen und der Völker im Allgemeinen. Daher werden in letzter Zeit eher lokale Treffen und Initiativen bevorzugt und auch direkte Aktionen, um die Mittäterschaft italienischer Firmen und der italienischen Regierung hervorzuheben, die der Türkei erlauben, ihre Politik der Unterdrückung der Minderheiten in der Türkei und des Angriffskriegs gegen Rojava weiterzuführen.

Simonetta: In Italien hat sich diese Art von Diskussion noch nicht voll entwickelt und die Initiativen sind im Wesentlichen auf die klassische internationale Solidarität konzentriert, wie es in den italienischen Bewegungen immer war.

Sveva: Es ist bestimmt wichtig, dass sich z. B. hier in Rom nach den ersten Delegationen nach Kobanê und den daraus entstandenen Solidaritätsprojekten ein richtiges lokales Netzwerk entwickelt und gefestigt hat, das Gruppen und Menschen miteinander verbindet und zusammenhält, die zum Teil auch sehr unterschiedliche Auffassungen haben, und dass dieses Netzwerk auch mit dem nationalen Rete Kurdistan Italia verbunden ist. Es ist nicht immer einfach, weil alle auch mit tausend anderen Dingen beschäftigt sind, aber die Kombination aus Arbeit für Solidaritätsprojekte, öffentlichen Initiativen und militanten Aktionen, die daraus entsteht, hilft Gruppen und Einzelnen mit unterschiedlicher politischer Geschichte und Praxis zusammenzuhalten. Es wäre interessant, sich mit ähnlichen Erfahrungen auseinanderzusetzen, die in letzter Zeit in anderen europäischen Ländern zur Solidarität mit dem Widerstand in Efrîn entstanden sind.

Massimiliano: Die Diskussion mit der kurdischen Bewegung hier in Italien hat im Vergleich mit der in Deutschland sicherlich das Problem, dass in Italien die kurdische Community nicht so groß ist. Die meisten sind noch nicht so lange in Italien und bestimmt sind auch die sprachlichen Probleme ein Hindernis. Deshalb ist eine breit angelegte und vertiefte Diskussion komplizierter, aber es sollte über diese Fragen mehr diskutiert werden.

Giulia: Diese Diskussion scheint mir noch kein kollektiver Diskurs zu sein. Es gibt Solidaritätsinitiativen oder individuelle Entscheidungen. Es wäre wichtig, eine richtige gemeinsame politische Diskussion auch mit der kurdischen Community zu entwickeln, um in eine kollektivere Dimension zu kommen. Ich meine auch, dass es interessant wäre, eine solche Diskussion auf europäischer Ebene weiterzuführen und verschiedene Erfahrungen zusammenzubringen, um sich besser kennenzulernen und einen Austausch aufzubauen.